Schädlinge und Krankheiten an Kakteen

 

Von Frank Götz, Bischweier

Wie viele Pflanzen werden auch Kakteen und andere Sukkulenten von 
verschiedenen Krankheiten und Schädlingen befallen, meist aufgrund 
ungünstiger Wachstumbedingungen oder Pflegefehler wie: zu hohe 
Wärme, zu hohe Stickstoffzufuhr, Lichtmangel oder mangelhafte 
Frischluftzufuhr. Oft werden Krankheiten oder Parasiten durch andere 
Pflanzen eingeschleppt. Deshalb sollte man neues Pflanzenmaterial erst 
einmal neu topfen und danach einige Wochen zur Beobachtung
gesondert stellen. Bei der Verwendung von Spritz-, Gieß- oder Streumittel 
ist es angebracht, mehrere Anwendungen hintereinander durchzuführen, 
da eine Anwendung meist nicht zum Erfolg führt. Zur Vorbeugung sollte 
man die Pflanzen öfters austrocknen lassen, auf kalibetonte Düngung 
und gute Abhärtung achten. Zuviel Stickstoff macht die Pflanzen 
krankheitsanfällig. Bei Hybriden sollte man eine konsequente Auslese 
vornehmen. Nachfolgend die wichtigsten Erkrankungen und Schädlinge, 
die in unseren Sammlungen vorkommen.


T I E R I S C H E   S C H Ä D L I N G E

AMEISEN

schädigen die Pflanzen nicht direkt. Sie zählen mehr zu den Lästlingen, da sie Samen verschleppen und durch Nestbau zwischen den Pflanzen schädlich werden können. Bekämpfung mit Spezial-Ameisenmitteln, Ameisenköderdosen.


BLATTLÄUSE

findet man häufig auf Blütenknospen von Epiphyllen, aber auch an Kakteen. Bekämpfung mit Spruzit oder Neudosan. Nicht in offene Blüten sprühen.


EULENRAUPEN / SPINNER

schädigen Kakteen durch Fraß. Durch ihr massenhaftes Auftreten können sie große Schäden anrichten. Bekämpfung mit dem biologischen Raupenspritzmittel von Neudorff. Durch den Bacillus thuringiensis wird der Verdauungstrakt der Raupen geschädigt und sie gehen ein.


KELLER - KUGEL- UND MAUERASSELN

werden etwa 12-15 mm lang und sind ausgesprochene Nachttiere, die sich tagsüber unter Töpfen und Steinen verstecken. Sie ernähren sich hauptsächlich von zerfallenen organischen Stoffen, aber auch jungen Wurzeln, weichfleischigen Kakteen und Sämlingen. Das Schadbild der Asseln gleicht dem der Schnecken, nur fehlen bei ihnen die typischen Schleimspuren. Bekämpfung mit Blattanex-Staub, Schneckenkorn oder Fang mit ausgehöhlten Kartoffeln, unter denen sie sich dann tagsüber verstecken und dann abgesammelt werden können.


SCHILDLÄUSE

sind mit einem Rückenschild versehen, das sie auch sehr gut vor verschiedenen Spritzmitteln schützt. Im Jugendstadium sind die Tiere frei beweglich, ältere Tiere sind mit ihrem Rückenschild fest mit der Wirtspflanze verbunden. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen und es können sich etliche hundert Eier unter dem Schild befinden. Durch die Honigtaubildung der Schildläuse kommt es häufig auch noch zur Ansiedlung von Schwärze oder Rußtaupilzen, den man mit Saprol bekämpft. Bekämpfung bei leichtem Befall durch Ablösen der Rückenschilder und anschließendem abspülen mit einem scharfen Wasserstrahl. Bei starkem Befall empfiehlt sich der Einsatz von Neudosan oder Spruzit.


MÄUSE

fressen Kakteenfrüchte und Samen, aber auch junge Triebe und Wurzeln der Kakteen. Oft bauen sie ihre Nester in große Töpfe und Schalen oder ins Freibeet. Bekämpfung durch Mäusefallen, Mäusegift oder Mäuseklebstoff.


SCHNECKEN

können verheerende Schäden bei Kakteen anrichten. Sie treten vor allen Dingen bei feuchter Witterung auf, dabei können sie regelrechte Löcher in Kakteen nagen. Sämlinge und junge Sprossen werden meist völlig weggefressen. Die silbrig glänzenden Schleimspuren deuten auf das Vorhandensein von Schnecken hin. Bekämpfung mit Schneckenkorn oder durch absammeln in der Nacht.


SPRINGSCHWÄNZE

findet man oft im feuchten Substrat von Epiphyllen. Sie sind etwa 1 mm groß und besitzen eine Springgabel, mit der sie sich fortbewegen. Sie ernähren sich von zerfallenen organischen Stoffen und fallen durch ihr massenhaftes Auftreten auf. Bekämpfung mit Spruzit oder Neudosan, das mehrmals angewendet werden muß.


TRAUERMÜCKEN

sind kleine 3-5 mm lange schwarze Insekten, die ihre Eier in Humus oder in Zersetzung befindliche organische Stoffe ablegen. Die 6-7 mm langen Larven der Trauermücken schädigen durch Fraß hauptsächlich Keimlinge, Jungpflanzen und junge Wurzeln. Bekämpfung mit Spruzit oder Neudosan oder Aufhängen von Gelbtafeln. Bei den Präparaten ist auf Pflanzenverträglichkeit zu achten, da viele Jungpflanzen sehr empfindlich gegenüber Insektiziden sind. Vorbeugend sollte man nur anorganische Aussaatsubstrate verwenden.


WEISSE FLIEGE ODER MOTTENSCHILDLAUS

befallen hauptsächlich blatttragende Gewächse, wie Pelargonium und Pereskia. Die Weiße Fliege ist sehr schwer zu bekämpfen, da sie meist in Massen auftritt. Bekämpfung mit Spruzit oder Neudosan. Die Präparate müssen mindestens 4 mal in 3-4tägigem Abstand ausgebracht werden. Dabei sollte man die Präparate wechseln, um einer Wirkstoffresistenz vorzubeugen. Zur Vorbeugung kann man auch Gelbtafeln aufhängen. Mottenschildläuse siedeln gerne an Brennessel, Vogelmiere, Franzosenkraut und Schöllkraut. Deshalb sollte man zur Vorbeugung das Unkraut in der Umgebung des Gewächshauses bekämpfen.


SPINNMILBEN (Hintergrundbild Originalgröße 0,25 -0,50 mm !)

die meist als rote Spinne bezeichnet werden, sind sehr kleine, nur mit einer guten Lupe zu erkennende, bräunlichrote Schadinsekten. Meist wird Spinnmilbenbefall sehr spät entdeckt. Man bemerkt dies meist nur an den braungefärbten Scheitelregionen, wo sie sich explosionsartig vermehren. Durch die Sauginsekten wird die Oberhaut vollkommen zerstört und wird sich auch nicht mehr regenerieren. Es dauert oft Jahre bis diese Stellen durch Neuzuwachs überdeckt werden. Bekämpfung mit Spruzit oder Neudosan. Die Spritzungen sollten alle 2-3 Wochen erfolgen, da die abgelegten Eier durch Gift nicht vernichtet werden. Außerdem ist es ratsam die Präparate ständig zu wechseln, um einer Resistenz vorzubeugen.


WOLL - UND SCHMIERLÄUSE

kommen an Kakteen oft vor. Sie schützen sich mit weißen, mehlartigen Wachsausscheidungen und schädigen Kakteen durch ständige Saugtätigkeit an neuen Zellpartien. Bei starkem Befall schwächen sie die Pflanze so sehr, daß sie abstirbt. Man findet sie bevorzugt in Scheitelnähe oder versteckt am Stammgrund. Bekämpfung bei schwachem Befall durch abpinseln mit Alkohol oder auch Einsprühen mit Blattglanzspray. Auch das Absprühen mit einem scharfen Wasserstrahl kann Erfolg bringen. Bei starkem Befall empfiehlt sich der Einsatz von Spritzmitteln, wie Spruzit oder Neudosan. Der Spritzbrühe sollten 5ccm Geschirrspülmittel pro 10 l Wasser zugesetzt werden, daß das Gift besser auf den wasserabweisenden Wachsausscheidungen haftet. Die Spritzungen müssen alle 10-12 Tage mehrmals wiederholt werden, um die frischgeschlüpften Jungtiere restlos zu erfassen. Räucher- und Verdampfungsmittel, wie Bladafum, sind auch gut gegen Woll- und Schmierläuse anzuwenden.


WURZELÄLCHEN UND NEMATODEN

sind sehr schwierig zu bekämpfende Schädlinge. Sie werden in 3 Gruppen unterteilt: 1.Wurzelgallenälchen. Die etwa 0,5 mm großen Larven bohren sich in die Wurzeln hinein und schädigen dadurch die Pflanze. Durch die Ausscheidungen ihrer Speicheldrüsen entstehen gallenartige Verdickungen von Walnuß- bis Faustgröße. Die Wurzeln sterben mitsamt den Gallen ab und zerfallen. Dadurch gelangen die Eier der Älchen in die Erde, von wo sie sich weiter verbreiten. 2.Wurzelälchen mit freier Zystenbildung. Diese Älchen leben auch in den Wurzeln, die sie aber sprengen. Die weiblichen Tiere hängen dann als zitronenförmige Zyste außen an der Wurzel. Diese Art der Nematoden kommt an Kakteen und Sukkulenten am häufigsten vor. 3.Freilebende Nematoden. Diese Art ist ständig in Bewegung und setzt sich nicht in den Wurzeln fest. Den Befall mit Nematoden erkennt man erst, wenn die Pflanze zu kümmern anfängt. Sie können sich sehr rasch vermehren, aber sich auch unter ungünstigen Lebensbedingungen in monate- oder jahrelangen Ruhezustand begeben. Die Verbreitung erfolgt meist durch Verschwemmung mit Wasser oder mit unachtsamem Umgang mit verseuchten Töpfen und Schalen, durch verseuchtes Wasser oder auch durch weitertragen mit den Schuhsohlen. Man sollte zuerst beim Umtopfen alle befallenen Wurzeln entfernen und auf entseuchtem Substrat neu bewurzeln. Eine andere Möglichkeit wäre die Kakteenwurzeln in ein 45 GradC warmes Wasserbad 30 Minuten lang zu baden. Da Nematoden wärmeempfindlich sind, würden sie dies nicht überleben. Zur Eindämmung einer Nematodenplage sollte man mit größter Hygiene vorgehen und alle Arbeitsgeräte abkochen oder chemisch desinfizieren.



NICHT PARASITÄRE   SCHÄDIGUNGEN

ERKRANKUNGEN DURCH ALKALISCHE KULTURSUBSTRATE

Die Wurzeln zerfallen allmählich, die Pflanze verfärbt sich blaßgelb, es kommt zu Wachstumstörungen und schließlich stirbt die Pflanze ab. Im Anfangsstadium kann man die Pflanze durch umtopfen in saures Substrat oder Gieswasseransäurung retten.


KNOSPENFALL UND EINSCHLAFEN DER BLÜTEN

kann bei vielen Gattungen vorkommen. Entsteht meist durch Trockenheit, Nährstoffmangel, starke Temperaturschwankungen, falsche Ernährung z.B. Stickstoff Überdüngung oder durch Sprühen oder Gießen mit kaltem Wasser. Bei Echinopsis, Lobivia, Rebutia und Opuntia auch durch zu frühes und zu reichliches gießen.


KORKWUCHERUNGEN

Das Schadbild ähnelt dem durch Spinnmilben. Sie werden hervorgerufen durch zu hohe Luftfeuchtigkeit während der kühlen Jahreszeit, so wie durch Ernährungsstörungen, z.B. zu hohe Stickstoffgaben.


UNVERTRÄGLICHE PFLANZENSCHUTZMITTEL

Vor allem von Kakteen werden verschiedene Mineralöle nicht vertragen. Von verschiedenen Präparaten wird die Wachsschicht der Pflanze angegriffen. Auch Sämlinge und Jungpflanzen reagieren oft empfindlich auf Pflanzenschutzpräparate. Man sollte deshalb beim Einsatz eines unbekannten Mittels nur einige Pflanzen damit behandeln. Bei bewiesener Unbedenklichkeit kann dann der ganze Bestand damit behandelt werden.


VERBRENNUNGEN DER EPIDERMIS

entstehen nach langem, lichtarmem Winterstand und darauffolgende plötzliche Grellsonne. Es entstehen große blaßgelbe Flecken, die auch verkorken können, die aber nicht mehr ausheilen. Bei starken Verbrennungen kann Fäulnis entstehen und die Pflanze geht ein. Deshalb sollte man im Frühjahr die Pflanzen durch Schattierung allmählich an das intensivere Sonnenlicht gewöhnen.



PILZERKRANKUNGEN

BRENNFLECKENKRANKHEIT

wird hervorgerufen durch verschiedene Pilze der Gattung Gloeosporum. Die Erkennungsmerkmale sind meist kreisrunde bräunliche Flecken, die hart und borkig werden. Bei schwachem Befall werden die Flecken mit einem scharfen Messer vorsichtig herausgeschnitten und mit Holzkohle- oder Aluminiumpulver bestreut. Bekämpfung mit Saprol, das auch zur Vorbeugung verwendet werden kann. Gesunde Pflanzen sollten auch mitbehandelt werden, um sie vor einer Ansteckung zu verschonen.


EPIPHYLLUM MOSAIK KRANKHEIT

ist eine unter den Kakteen weit verbreitete Krankheit. Sie macht sich bemerkbar durch blaßgelbe, unscharfbegrenzte, eingesunkene Flecke. Die Blühwilligkeit befallener Exemplare ist stark herabgesetzt. Kranke Pflanzen sollte man vernichten.


FUSARIUMFÄULE

Die Sproßspitzen verfärben sich und zeigen ein welkes Aussehen. Die Krankheit wandert von Wurzeln über die Leitungsbahnen bis in die Sproßspitzen. Schneidet man eine solche erkrankte Pflanze auf, so kann man dies gut an den rotbraunen Verfärbungen der Leitbündel erkennen, befallene Wurzeln werden ganz zerstört. Oft geht der Befall ins grüne Gewebe über und zeigt dort einen rötlichen, lachsfarbenen oder violetten Sporenbelag. Häufig geht der Befall in eine braune Weichfäule über. Bekämpfung mit Chinosollösung. Außerdem sollte man seine Sammlung öfters nach erkrankten Pflanzen durchsehen und Befallsverdächtige entfernen. Dadurch wird verhindert, daß durch die Pilzsporen keine weitere Ausbreitung ausgebildet werden kann. Die Infektion von Fusariumfäule erfolgt meist an Verletzungen der Pflanze bei Umtopfen oder auch durch Insektenstiche und Fraßstellen. Zur Vorbeugung sollte man das Substrat mit Dimanin A desinfizieren, Verletzungen des Pflanzenkörpers jeder Art verhindern und vor allen Dingen eine Stickstoffüberdüngung vermeiden.


HELMINTHOSPORUM STAMMFÄULE

Tritt hauptsächlich an Sämlingen auf, die mumienartig zusammenschrumpfen und absterben. Die Krankheit wird hauptsächlich über das Saatgut eingeschleppt. Aussaatschalen können innerhalb weniger Tage infiziert werden, vor allen Dingen bei hoher Luftfeuchtigkeit. Bekämpfung mit Chinosollösung. Zur Vorbeugung sollte der Samen mit Aatiram gebeizt werden, so daß auch andere Vermehrungspilze ausgeschaltet werden.


PHYTOPHTORA WURZEL UND STENGELGRUNDFÄULE

Hierbei handelt es sich um einen Naßfäuleerreger, der von verseuchter Erde ausgeht. Er befällt Wurzeln und Stammgrund der Pflanzen. Typisch für diesen Krankheitserreger sind das matschige, meist völlig aufgelöste Pflanzengewebe. Bekämpfung mit Chinosollösung, was aber nicht immer Erfolg hat. Größere Pflanzen sind noch zu retten, wenn man das befallene Gewebe sorgfältig ausschneidet oder den Kopf abschneidet und auf eine andere Pflanze aufpropft. Feuchtigkeit begünstigen die Ausbreitung der Sporen, deshalb ist es vorteilhaft, die Kultur nicht zu feucht zu halten und bei niedrigen Temperaturen die Feuchtigkeit auf ein Minimum zu beschränken.


RHIZOCTONIAFÄULE

Hier handelt es sich um eine von der Sproßbasis ausgehendende Stammfäule, die meist an Stecklingen und Sämlingen auftritt. Bekämpfung mit Chinosollösung, was aber nicht von jedem Sämling vertragen wird. Am besten man entfernt vorsichtig die befallenen Stellen und pikiert die noch nicht befallenen Sämlinge oder Stecklinge in desinfiziertes Substrat.


SCHWÄRZE ODER RUSSTAUPILZE

machen sich bemerkbar mit einem dunkelgrauen bis schwarzen Belag auf der Epidermis. Tritt häufig bei Coryphanthen oder Hamatocacteen auf. Bekämpfung mit Saprol.


SCHWARZE FLECKEN

treten vor allen Dingen in der kühlen Jahreszeit bei zu hoher Luftfeuchtigkeit auf. Zur Vorbeugung wärmebedürftige Pflanzen nicht zu kühl aufstellen und Luftfeuchtigkeit veringern.


VIREN UND MYKOPLASMEN

sind mikroskopisch kleine Krankheitserreger, die vielfältige Krankheitsbilder hervorrufen. Virusinfizierte Pflanzen sind zu vernichten. Viren und Mykoplasmen werden durch Insektenstiche oder durch Schneiden von Stecklingen übertragen. Deshalb ist beim Schneiden auf peinlichste Sauberkeit zu achten. Eine auch durch Viren hervorgerufene Wachstumsstörung ist der Zwergwuchs und das überreichliche Sprossen von Opuntia tuna monstrosa, die aber bewußt vermehrt werden.




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Volker Runck
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12.02.2015 16:35:10